Sechs Wochen

Eineinhalb Monate scheint mal wieder eine gute Zeit für einen “Schon X Zeit in China” Eintrag und eine Begutachtung der allgemeinen Lage.

Ich habe definitiv ein Lieblings Café zum schreiben meines Blogs gefunden. Tatsächlich scheinen Einträge nur zu entstehen, wenn ich mich mal ein paar Stunden ins Beans setze. Ein extrem kleines Café, mit einer Atmosphäre wie der Engel, nur deutlich internationaler. In einer Reihe von Cafés gelegen, die sich alle an internationale Studierende wenden, trifft man hier Menschen aus aller Welt. Die meisten lernen Chinesisch, aber auch ohne die Sprache zu beherrschen kann ich hier eine heiße Schokolade oder einen Tee bestellen. dafür gibt es eine Karte auf einem Tablet, in Chinesisch und English, mit Bildern. Dazu diese urige Atmosphäre eines kleinen Ladens und einfach jeder Zentimeter der Wand schreit nach Internationalität und Gemütlichkeit. Der Perfekte Ort, meine Erlebnisse hier niederzuschreiben.

Beans Café

Arbeiten

Meine Woche ist weiterhin durch Arbeiten dominiert. Jeden Tag von 7:30 bis mindestens 8 Uhr abends unterwegs, eher länger. Denn mittlerweile schiebt mein Büro Überstunden, der Ausländer muss zum Glück nicht mitziehen, bleibt aber trotzdem etwas länger, oder nutzt noch das Fitnessstudio. Nach der Arbeit bleibt grade noch genug Zeit, ein bissel. zu entspannen, Hörbuch zu hören zum Beispiel.

Mittlerweile habe ich mein erstes Projekt abgeschlossen (also es geht jetzt in die Betreuung über). Das war schon mal eine coole Erfahrung. Ein Produkt für Leute zu entwickeln, fertig zu stellen und sie jetzt in der Nutzung zu betreuen. Wahrscheinlich schreibe ich darüber nochmal einen eher technischen Post, aber das sei dem geneigten Leser an dieser Stelle erspart. Wer Interesse hat, das Projekt ist auf GitHub und heißt puerF. Ab jetzt wird es richtig spannend, denn ich werde in ein Projekt gesteckt, bei dem ich viel mehr Kontakt mit meinen Kollegen haben werde. Und wie unser Chef beim letzten Meeting gesagt hat müssen wir immer noch an besserer Kommunikation arbeiten. Was dann auch die einzigen fünf Minuten des Einstündigen Meetings waren, die ich verstanden habe :D

Richtig freuen tue ich mich auf Juli, denn dann werden hier die deutschen Praktikanten übernehmen. Ein Informatiker aus Kiel, den ich auf dem Campus kennen gelernt habe (er studiert hier grad ein Jahr Chinesisch) wird dann auch hier anfangen und damit sind wir dann drei deutsche Informatik Praktikanten in der Firma. Mal sehen, vllt. bekommen wir sogar unser eigenes kleines Projekt. HRs erste Idee dazu war, wir könnten ja nach Mode aus Deutschland suchen. Allerdings musste ich ihn da doch enttäuschen. Nicht wirklich unser Spezialgebiet.

Typisches Essen in der Behelfsmäßigen Kantine der Firma

Wochenenden

An Wochenenden verbringe ich meist einen Tag mit Reisen und einen mit Entspannen. Oder im Falle dieses Wochenendes einen mit shoppen. Scheint mir ein recht gutes Arrangement. Auch wenn ich in zwei Wochen mal ein ganzes Wochenende nach Shanghai will. Hatte ich eigentlich schon für dieses Überlegt, aber meine Planung begann erwartungsgemäß spät und das Wetter ist grauenvoll.

Für all die Reisen und Unternehmungen suche ich mir zumeist Chinesische Unterstützung. Sei es in Form eines Arbeitskollegen, eines Studierenden oder jemanden, den ich so kennen gelernt habe. So hat eine Arbeitskollegin mir ihre Heimatstadt und lokale Attraktionen gezeigt, waren Studenten mit mir Essen und haben haufenweise Leute mit mir die Stadt erkundet. All diese Leute sind meine persönlichen Helden, denn ohne jemanden der die Sprache spricht wäre ich hier schlicht und ergreifend verloren.

Einmal war ich auch mit einer Gruppe von hauptsächlich deutscher Studierenden einen Samstagabend unterwegs. Es hat doch etwas beruhigendes, in der Ferne Werwolf zu spielen und in einer Bar beim Billard spielen ein Bier zu trinken, während ich mich mal mit Menschen aus demselben Kulturkreis über die Unterschied hier aufregen und freuen kann.

Ich im Bambuswald, äußerst chinesisch

Verpflegung

Unter der Woche überhaupt keine Sache. Dreimal am Tag in der Kantine der Firma, auch wenn die temporäre auf dem neuen Campus nicht so geil ist, wie die auf dem Hauptcampus. Am Wochenende dann auf dem Campus oder unterwegs. Da besteht Frühstück dann meist auf gedünsteten Teigtaschen, denn für das Frühstück in den Mensen stehe ich selten zeitig genug auf. Sonst komme ich mittags und abends mit 12RMB hin, also keine 2€. Dazu dann doch immer mal wieder einen Snack. Es gibt hier so was wie TUC, nur mit deutlich weniger Salz, sonst sind Chips noch verlockend. Davon abgesehen gibt es ein faszinierend andersartiges Sortiment von Snacks, durch die ich mich zum größten Teil durchprobiert habe. Und feststellen muss, dass Süßigkeiten einfach eine coole Sache sind und man sie hier nicht bekommt. Außer man hat bock viel zu viel Geld für eine winzige Tüte Skittles auszugeben, oder Hersheys Schokolade zu essen. Das ist diese Schokolade aus Amerika, bei der jede Tafel anders schmeckt.

Was Getränke angeht sieht es eher wie gewohnt aus. Es gibt Cola, Orangensaft und eine Art Eistee, alles etwa zu denselben Preisen wie in Deutschland. Bier sollte man eher Alster nennen und ist super für heiße Tage geeignet. Einzig die Größen der Flaschen scheinen Ungewöhnlich. So ist die kleinere Größe zum Beispiel 600mL statt 500.

Die Chinesen scheinen eine Liebe für Popcorn zu haben und verfügen scheinbar über das wahnwitzige Talent, Popcorn stets rund zu “poppen”.

Filmabend zum entspannen

Wetter

Als ich hier ankam war es ziemlich durchwachsen doch meistens kalt. Wir reden hier also von 2°C. Mit nichts dickerem, als meiner Regenjacke und der Tendenz der Chinesen Innenräume auf Außentemperatur zu bringen, war das schon das ein oder andere Mal unangenehm. Mittlerweile haben wir eher 20°C und Regen. Die angemessenste Kleidung ist T-Shirt und Regenschirm.

Regenschirme ist etwas, zu dem die Chinesen wieder ihre ganz eigene Einstellung haben. Es gibt einfach überall große Tonnen für die Schirme und im Büro spannt ein jeder seinen Schirm auf und stellt ihn zum Trocknen auf den Teppich. Und große Schirme haben die hier, endlich mal ein Volk das Schirme baut, die tatsächlich groß genug sind. Nur leisten will ich mir so einen nicht. Habe mir anfangs auf dem Campus einen gekauft, so einen kleinen, der auch in den Rucksack passt. Habe allerdings mittlerweile von meiner Abteilung einen Schirm geschenkt bekommen, der größer ist und nutze jetzt diesen. Regenschirme kann man übrigens auch gegen Sonne einsetzen und so scheint es allgemein verständlich, warum Chinesen hier einfach immer einen Schirm dabei haben.

Random

Es tut tatsächlich gut, ab und an mal mit anderen Europäern zusammen zu kommen. Einfach Menschen zu haben, die meine Erfahrung teilen. Von denselben Dingen fasziniert und angewidert sind, wie ich es bin. So verstehe ich jetzt, wie früher jedes Volk das andere für Barbaren hielt, man muss einfach einmal mit Chinesen zu Mittag gegessen haben.

Nun, da ich einen Grundstock an Menschen hier kenne, tatsächlich mehr, als dass ich ständig Kontakt mit allen halten könnte, singt meine Motivation raus zu gehen und Leute anzusprechen drastisch. Freue mich natürlich neue Leute zu treffen, nur die eigene Motivation, raus zu gehen und sie zu finden ist doch deutlich weniger bis nicht mehr vorhanden.

Mein Waschbecken hat doch auch warmes Wasser, das ist nur in der anderen Richtung, als ich erwartet habe und braucht eine Weile.

Und auch weiterhin komme ich gut durchs Leben, indem ich einfach auf Dinge zeige und einzelne Worte sage.

Ein Bild, im überragenden Maße chinesisch, zum Abschluss