20 Tage China

Jetzt bin ich also schon über 20 Tage hier, die Zeit beginnt zu fliegen. Mir scheint es sei erst gestern gewesen, dass ich gegen 10Uhr abends aus einem Flieger stieg und das erste Mal Bekanntschaft mit dem Verkehr einer Großstadt wie Hangzhou machen durfte. Doch tatsächlich habe ich sogar schon zwei Wochen gearbeitet, sämtliche Touristenattraktionen rund um den West Lake besucht und im Grunde tägliche Routine etabliert.

Die erste Woche hier gab es erstmal Papierkram zu erledigen. Dabei fällt vor allem auf, dass ich für alles ein Passbild brauchte. Für das Einschreiben an der Uni, für X anderen Dinge an der Uni, für den Gesundheitscheck, für die Beantragung meiner Residence Permit, für das Praktikum bei der Firma, für einfach alles. Und natürlich braucht jeder schriftliche Bestätigungen von jemand anderem. Dieser andere lebt dabei immer an anderen Ende der Stadt. So habe ich also zwei Tage mit Papierkram verbracht, bis ich dann mal eingeschrieben war.

Nach dem Papierkram ging es daran, Tourist zu sein. Sämtliche nahegelegenen Attraktionen recherchiert und täglich zwei oder drei abgeklappert. Das hat mich dann auch den Rest der Woche beschäftigt gehalten. Seit dem kenne ich alle Sehenswürdigkeiten rund um West Lake, der Übersichtlichkeit halber verdienen sie einen eigenen Eintrag. Nebenbei begann ich mir ein paar Leute zu suchen, die mir Chinesisch beibringen. Seit dem kann ich mir zumindest selbst Frühstück bestellen ^^

Laterne am Wegesrand

Sprache ist allgemein die größte Herausforderung. Ich spreche einfach gefühlt kein Wort Chinesisch und komme auch nicht dazu, Chinesisch zu sprechen, denn noch ist es zu schlecht für flüssige Gespräche und ohne Übung wird es auch nicht besser. Doch, Problem erkennt und ich kann mit bekämpfen beginnen. Wie überlege ich mir noch :D

Für mein Praktikum musste ich dann schon das erste Mal zur Firma. Ich werde bei Netease eingestellt, arangiert hat das ein Professor von der Uni hier, der dort wohl ein hohes Tier ist. Für Chinesen ist es wohl schwierig dort ein Praktikum zu bekommen, mag aber auch daran liegen, dass es einfach so viele Bewerber gibt. Der Campus hat mich erstmal umgehauen. Nicht so futuristische Gebäude, wie Alibaba nebenan, aber ein gigantischer Complex mit mehreren, neunstöckigen Bürogebäuden, alles sehr modern, mit Sportanlagen und Landschaftsgestaltung dazwischen. Empfangen wurde ich in einem Halle mit Zengarten und Bambus, der drei Stoßwerke hoch wächst. Zum Glück hatte ich eine Studentin zum übersetzen dabei, denn obwohl der HR Manager sogar mal drei Jahre in Deutschland studiert hat, konnte er nicht alles selber vermitteln.

Ohne Übersetzer währe ich schon oft hilflos verendet.

Dann find mein Praktikum bei Netease an. Ich arbeite dort für XiuPin.com, eine Website, die internationale Mode in China vertreibt. Sitze im Team das für die Entwicklung der Website zuständig ist. Die erste Woche war auch gleich ein großes Abenteuer, denn unsere Abteilung ist in ein neues Gebäude gezogen. Der neue Campus hat leider noch kein Fitnessstudio und nur eine temporäre Kantine. Dafür gibt es auch hier drei Mal am Tag Essen umsonst und im Zweifels Fall kann man in sieben Minuten zum anderen Campus laufen. Wobei es schon was anderes ist.

Hier geht das mit der Sprache einigermaßen. Denn da Programmieren viel mit Englisch zu tun hat, kann ich mich zumindest darüber mit meinen Kollegen verständigen. Anderen Themen sind dann schon komplexer, aber das Englisch meiner Kollegen wird jeden Tag besser ;)

Interessanter ist eher, dass ich jetzt jedes Mal verwirrt bin, wenn ich meinen eigenen Laptop nutze, denn auf Arbeit habe ich eine englische Tastatur.

Der Campus, auf dem ich arbeite

Unter der Woche stehe ich also gegen 7Uhr auf, um zur Arbeit zu fahren und komme gegen 20Uhr wieder im Wohnheim an. Es gibt einen Bus, gestellt vom Unternehmen, der Leute dort hin und zurück fährt. Er braucht im Regelfall 40 Minuten, außer es herrscht viel Verkehr (also immer). Wenn ich im Wohnheim ankomme bleibt manchmal noch genug Zeit, mich für Chinesisch zu treffen, oft relaxe ich aber einfach noch ein bissel und gehe dann schlafen.

Was ich dringend lernen muss, ist das nehmen von Pausen auf Arbeit. Momentan kommt immer so gegen 16:20Uhr der Punkt, da ich einfach total ausgelaugt bin. Meinen Kollegen, die alle einen ein bis zwei stündigen Mittagsschlaf gehalten haben, geht es da noch gut. Allgemein weiß ich nicht, ob es chinesisch ist, oder daran liegt, wie groß und modern das Unternehmen ist, aber es wird viel dazu angehalten, Hobbies auf dem Campus zu pflegen, den Billard Tisch, dass Fitnesstudio oder die Basketball Plätze zu nutzen.

Am Wochenende bin ich weiterhin Tourist. Bereise weitere Teile der Stadt, oder treffe mich mit Leuten. Zu internationalen Studierenden habe ich sehr wenig Kontakt, genauer gesagt einen. Eine holländische Chinesisch Studentin, die ich zufällig am West Lake getroffen habe stellt meine einzige Verbindung da. Die meisten ausländischen Studierenden hier studieren Chinesisch oder sind chinesisch stämmig und lernen lesen und schreiben. Praktikum macht von denen niemand, was vor allem dazu führt, dass sie im Gegensatz zu mir viel Zeit am Nachmittag haben. Dafür habe ich schon zahlreiche Chinesen kennen gelernt. Über meine Betreuerin Studierende, die nach Amerika wollen und sich freuen mir Chinesisch bei zu bringen, wenn ich ihnen dafür mit Englisch helfe, über Pan, die letztes Jahr in Lübeck war, weitere Studierende, die bei Netease Praktikum machen und durch WeChat Leute aus der Umgebung.

Ich und Mao, Chinesen machen gerne Bilder aller "Ich und was wichtiges."

Der Alltag hält Einzug in mein Leben in China und ich gespannt, wie es weiter gehen wird.