Ein Baum in China: Vorbereitung

Es folgt ein längerer Beitrag darüber, wie ich mich in den letzten 17 Monaten mehr oder weniger geplant auf meine Reise nach China vorbereitet habe.

Sprache

Als erstes habe ich mich an der Volkshochschule für einen Chinesischkurs angemeldet. Dass ich als Uni-Student auch an dem Kurs an der FH hätte teilnehmen können, habe ich leider erst jetzt erfahren, dazu später mehr. Ich war auch sofort begeistert, die Sprache erinnert ein bissel. an Joda vom Satzbau her und hatte mich spätestens da überzeugt. Es ist halt super einfach auf Dinge zu antworten, wenn ich zustimmen will wiederhole ich ohne Fragepartikel, wenn ich wiedersprechen will baue ich ein nein ein. Einzig an die Töne muss man sich gewöhnen, es gibt ihrer vier. Den hohen, den aufsteigenden, den abfallenden-aufsteigenden und den abfallenden Ton, nummeriert von eins bis vier. Wenn es darum geht, Dingen Namen zu geben sind die Chinesen so wie so praktischer Natur, so heißen die Tage schlicht Tag 1-7.

Nachdem unsere super Lehrerin uns dann durch die Töne gequält hatte, konnten wir als nächstes lernen, sämtliche Buchstaben des Alphabets neu auszusprechen. Natürlich übertrieben, aber ein “Q” spricht man halt im Chinesischen “Tsch” aus ^^

Neben Chinesisch befasste sich mein Kurs viel mit Essen, chinesisch Essen gehen, Wörter für Mahlzeiten und so wie so nebenbei viele Wörter für Dinge des Altags, für Hobbies zum Beispiel. Nur eines habe ich nicht gelernt, meine Vokabeln. Deshalb beschränkt mein Wortschatz sich noch heute auf “Hallo wie gehts?”, aber es ist ein Anfang. Und immerhin kann ich “pinyin” lesen, dass ist die Schreibweise mit lateinischen Buchstaben.

Geschichte

Nachdem ich ein paar Worte sprechen konnte, fing ich an alle Dokumentationen über China zu schauen, die ich in meine Hände bekommen konnte. Okay, die Phase hielt auch nur einen Monat. In ihr lernte ich so einiges.

Zum Beispiel, dass man die Große Mauer gar nicht vom Weltraum aus sehen kann, dass ich China dutzende von Völkern leben, wie der erste Kaiser das Reich der Mitte vereinte, wer nicht alles an dem Versuch gescheitert ist, den Han-Chinesen ihre Kultur abzutrainieren. Das China einst die größte Seemacht der Welt war, eine Schiff mit 32 Masten besaß, der nächste Kaiser Schiffe aber doof fand und alle verbrannte.

In China gibt einfach ein Überfluss an Arbeitskraft, dass wird immer wieder in der Geschichte des Landes deutlich. Da werden Schiffe abgebrannt, Mauern gebaut die eine gigantische Grenze schützen, Grabdenkmäler mit abertausenden von Tonfiguren bestückt und immer wenn es etwas zu tun gibt werden einfach ein Übermaß an Menschen an die Arbeit geschickt.

Wer eine Reise tut

Der kann nicht nur was erleben, der sollte sich vorbereiten. Da ich bis in die Woche vor meiner Reise noch Klausuren hatte, lief das alles eher überstürzt ab. Noch schnell eine Reiseapotheke kaufen, zum Arzt und mich fragen, wie ich da eigentlich Geld abheben soll?

Und wie komme ich überhaupt vom Flughafen zu “wo-auch-immer”? Zum Glück sagte man mir eine Woche vor Abreise, dass man mich abholen würde.

Bücher

Natürlich habe ich mich auch mit Büchern eingedeckt. Gleich zwei Bücher über China und seine Menschen “Gebrauchsanweisung für China” und “China ein Länderporträt”, beide kann ich sehr empfehlen. Dann das Buch für meinen Chinesisch Kurs, “Chineasy” um die Zeichen zu lernen (hab das nie gemacht….) und ein Wörterbuch, in dem es zu jeder Vokabel auch ein Bild gibt.

Kultur

Kleiner Hinweis: das ist alles nur aufgeschnapptes Wissen.

Wie im Prologe erwähnt liegt mir viel an Kultur. Deshalb freue ich mich wahnsinnig, dass ich kurz-vor-Schluss noch von einer Freundin zum Chinabuddy-Programm der FH gezerrt wurde. Da konnte ich nicht nur mit Chinesen in Kontakt kommen (okay für einen Tag, aber hey) sondern auch ein Interkulturelles Training machen, dass mich echt begeistert hat. Aus diesem und Kontakt mit chinesischen Austauschstudierenden vom letzten Jahr an der Uni ziehe ich also meine Kenntnisse über Kulturelle Unterschiede. (Naja und Dokus etc.)

China ist ein Volk im Wandel, momentan zwischen alten Welten und neuen Medien, zwischen Abgeschottenheit und Offenheit. Irgendwie war vor etwas über einem Jahrhundert noch alles einfacher in China. Es gab den Kaiser und man war ihm Untertan, am wichtigsten war die Familie und Ansehen beruhte auf Leistung in der Gesellschaft. Dann kam eine Zeit des Wandels nach der anderen, schließlich wurde das Land unter Mao kommunistisch. Es gab den großen Sprung nach Vorn und die Kulturrevolution. Seit den 80igern begann das Land dann langsam sich zu öffnen, Ausländer herein zu lassen und rasend schnell modern zu werden. Heute gibt es im Grunde alles, was es im Westen auch gibt, manches noch etwas teuer und digitale Dienstleistungen haben Usability noch nicht für sich entdeckt, aber ihren Job erfüllen sie klaglos.

Und in dieser Kultur werde ich also die nächsten sechs Monate verbringen. Worauf stelle ich mich ein?

Gutes Essen! Ich muss das nochmal betonen: ESSEN!!! Die Chinesen haben einfach eine Einstellung zum Essen, um die ich sie beneide. Dort ist Essen keine schlichte Nahrungsaufnahme, sondern ein Ritual, ein Meeting mit Freunden, eine Feier. Ins Restaurant gehen ist viel günstiger, es gibt auch an jeder Ecke eins und drei dazwischen (zumindest wurde mir das so erzählt). Das Essen ist obendrein spitze, zumindest alles, was ich bis jetzt probieren durfte. Klar muss man sich an einiges gewöhnen und wenn mich der Fisch anschaut, mag ich ihn noch weniger als gar nicht essen aber schließlich sagt mir auch nicht alles an gutbürgerlicher deutscher Küche zu. Chinesen sind und das kann ich schon aus Erfahrung bestätigen beim Essen einfach lauter. Sie schlürfen, trinken ihre Suppe und schmatzen für ihr Leben gern. Wie gesagt Kulturen sind nicht schlechter, sie sind anders und dies ist definitiv ein Punkt, für den ich Gewöhnung brauchen werde. Doch ich habe das Gefühl, Chinesen haben ihr Essen einfach lieber als wir dies tun. Sie essen auch dreimal am Tag warm, denn kaltes Essen ist schlecht für dich. Deshalb gibt es Hund auch höchstens im Winter, denn es ist ein besonders warmes Essen und passt nicht in den Sommer.

Die letzte Zeit

Dann heißt es also allmählich Abschied nehmen. Mit vielen Menschen das letzte Mal (für sechs Monate) etwas unternehmen. Das letzte Mal zum Sport, noch einmal einen trinken gehen, eine letzte gut deutsche Wurst genießen, noch einmal durch Lübeck fahren. Und bei allem eigentlich nicht genug Zeit haben, der Sache gerecht zu werden.

Und so habe ich also mit haufenweise Menschen noch einmal etwas machen können, bevor ich in die weite Welt gehe. Und freue mich schon jetzt darauf, alle nach China wieder zu sehen.

Und los!

Im Grunde habe ich keine großen Erwartungen an China. Ich hätte Bock auf Frühsport im Park, freue mich auf alte Tempel und Teehäuser. Will das Land und die Leute einfach erleben :)