Licht im Kino

Der Volksmund weiß, wenn im Kino noch nicht das Licht angeht, dann lohnt es sich
noch sitzen zu bleiben. Und so bleiben Tag um Tag tausende von ahnungslosen
Kinobesuchern noch nach dem Ende des Films sitzen. Doch sie wissen nicht, dass
sie in Wirklichkeit nur der Willkür der Angestellten ausgesetzt sind. Diese
schalten das Licht zu vollkommen zufälligen Zeiten an, wie es ihnen halt passt.
Da sitze ich also in im zweiten Film der “Tribute von Panem” Reihe und als die
Credits anfangen und das Licht aus bleibt, freue ich mich auf das, was da im
Anschluss kommen mag. Viele Kinobesucher scheinen meine Vorfreude nicht zu
teilen, sie stehen auf, nehmen sich in den Arm, geben sich Bussies und machen
sich lautstark auf den Heimweg. Derweil laufen die Credits unbeeindruckt weiter.
Doch dann passiert es, dass Licht geht an, als ein Text, halb verdeckt durch
diesen Typen mit Motorradhelm, der scheinbar seine Freundin im Kinosaal abholen
gekommen ist, mir gerade erzählt, wer für “Set Security” verantwortlich war. Ich
bin verwundert. Licht sollte doch in dem Moment angehen, in dem ich gehen kann,
weil nichts mehr kommt. Folglich zu Beginn der Credits oder an deren Ende, so
noch eine Szene nach ihnen kommt. Doch dieses Licht ist mitten in den Credits,
war jetzt der Teil bis hier hin interessant und den Rest muss ich mir nicht
angucken? Wobei ich mir aus Prinzip immer die gesamten Credits angucken. Das
Kino leert sich, doch der eine oder andere Besucher ist verwundert. Sie zögern,
“nicht das am Ende doch noch was kommt”, man will schließlich nichts verpassen.
Doch als die Credits zu Ende sind kommt nichts mehr. Nun gehen alle, auch jene,
die bis zu Letzt hofften und jene, die aus Prinzip sowieso immer dableiben.

Der Mythos, dass angehendes Licht im Kino den Zuschauern sagt, wann sie gehen
können ist also ″officially busted”!

Aber das ist nur die Meinung eines Baums.